|
|
Die « alte » Stephanskirche Ausgrabungen im Jahr 1991 zeigten, dass schon sehr früh, im zehnten oder elften Jahrhundert, an diesem Ort eine Kirche stand. Die romanische Stephanskirche wurde um 1185 erbaut, im vierzehnten Jahrhundert erweitert. Um die Kirche befand sich ein Friedhof, einige Persönlichkeiten waren in der Kirche beerdigt. 1520 wurde die Reformation in Mulhouse eingeführt mit der grossen Zustimmung der Bevölkerung. Seit dieser Zeit ist die Stephanskirche evangelisch. Die Baufälligkeit des Gebäudes, das Wachstum der Bevölkerung (Industrialisierung) veranlassen den Gemeinderat im Jahre 1851 die Zerstörung des Gebäudes zu beschliessen.
Die jetzige Stephanskirche (Erbauung 1859- 1868) Jean-Baptiste SCHACRE, Architekt der Stadt, der schon die Synagoge und die katholische Stephanskirche erbaut hatte, wurde mit der Erbauung der Stephanskirche beauftragt. Die Kirche sollte grösser sein als die katholische Stephanskirche und Platz bieten für die Glasfenster der alten Kirche. Der neugothische Stil überrascht viele Protestanten… und Katholiken; die die Kirche für eine Kathedrale halten. Die Glasfenster und die Kirche stehen unter Denkmalschutz. Die Orgel wurde im Jahre 1868 erbaut (Walcker, Ludwigsburg und 1905 and 1951 verändert.) Die alte Silbermannorgel befindet sich in der Kirche St Jean, sowie der Altar. Diese Kunstwerke, deren kurze Beschreibung diese Broschüre* enthält, waren einst Zierden der 5 goethischen Fenster der ehemaligen Pfarrkirche von Mulhouse, die in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts erbaut worden war. Es ist somit anzunehmen, dass diese Fenster um das Jahr 1330 enstanden sind, welcher Zeitpunkt durch die Kleidung und die Rüstung der dargestellten Personen bestätigt wird. Im Jahre 1858, unter dem Einfluss der Ideen, die damals auf dem Gebiete des Städtebaus vorherrschten, schien die Kirche zu bescheiden und zu veraltet. Es wurde beschlossen, sie zu schleifen und durch einen grösseren Bau zu ersetzen. Anlässlich des Baus der neuen Stephanskirche war vorgesehen, die Fenster des Chors der alten Kirche wieder einzusetzen, doch, aus bis heute unbekannten Gründen, blieb dies aus. Wir werden uns darauf beschränken, hier nur einige Stichdaten anzuführen. Im Jahre 1858 wurden die Fenster in Kisten verpackt. Und erst im Jahre 1882 wurde ein vollständiges Inventar aufgestellt, sodann im Jahre 1904 wurde beschlossen, dieselben wieder, nach vorheriger Instandsetzung, an den Platz zu bringen. Während des Krieges 1914-18 wurden sie abmontiert. Durch Dekret vom 23.März 1921 als historische Kunstwerke klassiert, wurden sie im Jahre 1923 wieder in der Kirche angebracht, nachdem sie einer neuen Restaurierung unterzogen worden waren, die gewisse Irrtünner, die im Jahre 1904 begangen worden waren, wieder richtig stellte. Im Jahre 1939 mussten aufs Neue diese wertvollen Kunstwerke in Sicherheit gebracht werden.
Zum Glück überstanden sie den Krieg ohne Schaden, wenigstens ohne Verlust in ihren wesentlichen Teilen. Im Jahre 1947 unterzog der „Service des Monuments Historiques" diese Fenster einer vollständigen Instandsetzung, sie wurden sodan im Frühjahr 1948 in Basel ausgestellt und im Sommer desselben Jahres im Kunstmuseum von Mulhouse, gelegentlich des 150. Jahrestages des Vereinigung von Mulhouse mit Frankreich. Im Dezember 1949 wurden sie wieder in der Kirche angebracht. Es war ein berühmtes Manuskript aus dem 14. Jahrhundert, betitelt Speculum Humanae Salvationis (Spiegel des Heiles der Menschheit), das den unbekannten Glasmalern in den Werkstätten, wo die Fenster entstanden, die Motive eingab und gleichermassen als Vorbild diente. Geschrieben im Jahre 1324 von einem Strassburger Dominikanermönch, stellt das Manuskript eine symbolische Auslegung des Wortes Gottes dar. Jede Szene der Geschichte des Heils aus dem Neuen Testament war begleitet, umrahmt, von 3 Szenen, welche die Vorgeschiche oder Prophezeiung darstellten, Szene aus dem Alten Testament, aus der weltlichen Geschichte oder aus religiösen Volkslegenden, wie sie die Gläubigen kannten. Miniaturen und Glasmalereien bildeten somit eine illustrierte und wie lebendige Darstellung der Geschichte des Heils in der die Geschichte der Menschheit aufgeht. Der Chor der einstigen Stephanskirche barg 108 der 176 Szenen des Speculum.89 sind heute noch erhalten. Man darf es wirklich schätzen, dass trotz aller Gefahren, wie Gewitter, Hagel, Brand, Aufstände, Kriege, denen dieser so zerbrechliche und farbenprächtige Kunstschatz ausgesetzt war, er uns durch die sechs Jahrhunderte erhalten blieb.
retour acceuil |